Von Michael Mocker, Senior Advisor bei S4Digit
Fragmentierte IT-Landschaften, Datensilos und der Druck, AI endlich produktiv zu nutzen – die Agenda jedes CIO ist voll. Doch während viele Unternehmen noch über Integrationsprobleme stolpern, baut SAP mit der Business Technology Platform (BTP) das Fundament für eine neue Ära. Für Unternehmen, die S/4HANA nutzen oder ihre Transformation planen, ist BTP kein optionales Add-on – es ist das Rückgrat.
1. Was ist SAP BTP wirklich?
Im Kern ist BTP keine einzelne Anwendung, sondern die technologische Plattform, die Applikationen, Daten und Künstliche Intelligenz zusammenführt. Sie bildet das Fundament der gesamten SAP Business Suite und ermöglicht es, Geschäftsprozesse zu integrieren, zu erweitern und intelligent zu automatisieren – ohne den stabilen Core anzutasten.
Die Voraussetzungen: BTP entfaltet seinen Wert nicht im luftleeren Raum. Die Basis für den Erfolg ist:
- Cloud Readiness: BTP lebt in der Cloud. Die leistungsfähigsten Services – von AI Core bis Integration Suite – sind cloud-nativ. Ein klares Commitment zur Cloud-Strategie auf C-Level ist Pflicht.
- Clean Core: Erweiterungen gehören auf BTP, nicht in den S/4HANA-Kern. Nur so bleibt Ihr System updatefähig und offen für Innovation.
- Datenqualität: Ohne harmonisierte Stamm- und Bewegungsdaten liefern auch die besten Analytics- und AI-Services keine belastbaren Ergebnisse.
2. Der konkrete Nutzen: Warum jetzt investieren?
Für das Management zählt am Ende der Business Case. SAP BTP liefert diesen durch drei Haupthebel:
- Prozessintegration: BTP verbindet SAP- und Non-SAP-Systeme nahtlos. Schluss mit manuellen Schnittstellen und nächtlichen Batch-Läufen – Daten fließen in Echtzeit.
- Innovationsgeschwindigkeit: Mit SAP Build und Low-Code/No-Code-Tools entwickeln Fachbereiche eigene Apps, ohne auf die IT-Abteilung warten zu müssen. Time-to-Value sinkt von Monaten auf Wochen.
- AI-Readiness: BTP ist die Laufzeitumgebung für SAP Business AI und Joule. Wer BTP heute aufbaut, schafft die Grundlage, um AI-Use-Cases morgen produktiv zu skalieren.
3. Anwendungsfälle aus der Praxis
Wo greift BTP heute schon? Drei Szenarien, die wir bei S4Digit sehen:
- Integration (End-to-End): Ein Tier-1-Automobilzulieferer verbindet über die SAP Integration Suite seine globalen Werke, Logistikpartner und das zentrale S/4HANA in Echtzeit. Ergebnis: 40 % weniger manuelle Abstimmung im Order-to-Cash-Prozess.
- Erweiterung (Clean Core): Ein Maschinenbauer verlagert seine kundenspezifische Variantenkonfiguration auf BTP. Der S/4HANA-Kern bleibt sauber, Updates laufen reibungslos – und die Fachbereiche konfigurieren eigenständig über Fiori-Apps.
- Daten & Analytics: Ein Industrieunternehmen konsolidiert mit SAP Datasphere Daten aus SAP, Salesforce und IoT-Sensorik auf einer Plattform. Das Management erhält erstmals eine echte 360°-Sicht auf die Supply Chain – inklusive prädiktiver Frühwarnung bei Lieferengpässen.
4. Best Practice: Ihr Weg zur Einführung
Wer alles auf einmal will, scheitert. Wir bei S4Digit empfehlen ein agiles Vorgehensmodell basierend auf SAP Activate, das schnelle Ergebnisse priorisiert:
- Discovery (Woche 1–2): Identifikation der Use Cases mit dem größten Hebel. Wo sind die Daten am saubersten, wo der manuelle Aufwand am höchsten?
- Proof of Value (Woche 3–8): Verprobung eines konkreten Szenarios – z. B. Integration eines Drittsystems oder ein erster Analytics-Use-Case mit Datasphere. Kein Big Bang, sondern ein gezielter Pilot.
- Scale & Enablement (ab Woche 9): Rollout weiterer Services, Aufbau der BTP-Governance und Training der Key User. Die Plattform wächst mit dem Bedarf.
Timeline: Rechnen Sie für den ersten produktiven Use Case mit 8 bis 12 Wochen. Entscheidend ist dabei weniger die Technik als die strategische Verankerung: Ohne ein klares Ownership auf C-Level bleibt BTP ein IT-Projekt statt eines Business-Enablers.
Fazit: SAP BTP ist der Hebel, um auseiner fragmentierten Systemlandschaft eine integrierte, AI-fähige Plattform zumachen. Warten Sie nicht auf den perfekten Moment – starten Sie mit dem erstenUse Case.
Sie möchten Ihre SAP-Strategie KI-ready machen? Lassen Sie uns sprechen.